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Das Internet wird kein Massenmedium

Als im März 2000 die hochfliegenden Pläne der New Economy platzen, Anleger Geld verlieren und viele Internet-Start-ups schließen, prophezeit der Zukunftsforscher Matthias Horx: „Das Internet wird kein Massenmedium.“ Da laut Statistischem Bundesamt 2022 bereits 96 Prozent aller Deutschen das Internet nutzen, scheint die Aussage eine Annahme zu sein, die sich im Nachhinein ganz offensichtlich als falsch herausgestellt hat.

Es kam zwar anders, doch lohnt sich, wie meist, ein zweiter, genauerer Blick. Denn Horx hatte die Begründung, warum das Internet kein Massenmedium wird, gleich im (meist nicht zitierten) zweiten Teil des Satzes nachgeschoben, „weil es in seiner Seele keines ist.“ Seine These zielte also auf eine medientheoretische Diskussion: Radio und Fernsehen sind Massenmedien, weil mit ihrer Hilfe ein Sender eine Masse an Empfängern erreicht. Das Internet dagegen ermöglicht viele Sender*innen, die viele Empfänger*innen erreichen, nur selten aber die Massen. Zugleich können die Empfänger*innen im Internet auch selbst Sender*innen sein. Die heute plausibel erscheinende Vermutung, das Internet sei ein Massenmedium, beruht zudem darauf, dass die meisten Medien (klassische wie neue) heute über das Internet konsumiert werden. Das aber ist Medienkonvergenz und kein Charakterzug eines Massenmediums. Ein Massenphänomen ist das Internet daher ganz sicher geworden. Es lohnt sich aber darüber nachzudenken und zu diskutieren, ob es tatsächlich auch ein Massenmedium ist.  

 

Quellen:

https://www.welt.de/print-welt/article441474/Der-kurze-Sommer-der-narchie.html

https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/IT-Nutzung/_inhalt.html

https://www.handelsblatt.com/technik/vernetzt/world-wide-web-fuer-bill-gates-war-das-www-nur-ein-hype/9600744-2.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Internets

https://www.scinexx.de/news/technik/happy-birthday-world-wide-web/