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LNDW Podcast 3.Folge | STATE Studio 31.7.2020 | Fotot: rbb/Gundula Krause

LNDW Podcast 3.Folge | STATE Studio 31.7.2020 | Fotot: rbb/Gundula Krause

"Der Mensch als Schöpfer – was die Wissenschaften von der Natur lernen" (Folge 3 des LNDW-Podcasts)

Die Natur ist dem Menschen seit jeher ein Lehrmeister. Längst haben wir aber nicht nur gelernt, uns der Natur anzupassen, sondern sind auch in der Lage, uns unsere Umwelt und damit auch die Natur nach unseren Bedürfnissen zu gestalten. Thomas Prinzler geht in der dritten Folge des LNDW-Podcasts mit seinen Gästen den Fragen nach, welche Rolle die Natur in den Wissenschaften spielt, was wir unter Natur verstehen und wie wir mit den Möglichkeiten umgehen, auf naturwissenschaftlich-technischer Basis in die Natur einzugreifen und sie zu gestalten.

Die 3. Folge der LNDW-Podcast-Reihe erscheint am 6. August 2020, anzuhören und downloadbar in der ARD Audiothek sowie vielen anderen Audio- und Streamingplattformen.

Die Natur mithilfe von Algorithmen erkunden

„Die Natur ist für mich eine höchstentwickelte Technologie“, antwortet Prof. Dr. Tim Landgraf vom Dahlem Center für Machine Learning and Robotics (DCMLR) der Freien Universität Berlin auf die Frage, was Natur für ihn und seine Forschung ist. Der Brain City Berlin Botschafter erforscht am DCMLR mithilfe von Algorithmen des maschinellen Lernens die Schwarmintelligenz von Tieren. Dafür baut er unter anderem Fischroboter, die lernen, in Fischschwärmen mit zu schwimmen. In einem anderen Projekt versehen Landgraf und sein Team Bienen mit Barcodes. Dadurch lässt sich jede einzelne Biene im Bienenstock identifizieren, sodass die Beziehungen und das Verhalten der Bienen untereinander genau beobachtet werden kann. Im Podcast erklärt Landgraf, warum er auf Roboter und Machine Learning setzt, um Geheimnisse der Natur zu lüften.

Die Bauteile des Lebens erforschen

„Auch wir lernen von der Natur“, sagt Dr. Sebastiaan Meijsing, „indem wir die Bauteile des Lebens untersuchen.  Wir wollen herausfinden, welche Bauteile es überhaupt gibt bzw. wie diese Bauteile miteinander interagieren.“ Meijsing gehört zum Team von Prof. Emmanuelle Charpentier an der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene gehört. Charpentier löste mit ihrer erstmals 2012 beschriebenen CRISP/Cas9-Methode eine Revolution in den Biowissenschaften aus.

Die Methode ermöglicht genetische Eingriffe, die so effiziente und punktgenaue Eingriffe ins Erbmaterial zulässt, dass CRISP/Cas9 häufig auch als „Genskalpell“ bezeichnet wird. CRISP ist innerhalb weniger Jahre zu einem Instrument der Genetik geworden, das weltweit Anwendung findet. Es kann sowohl zur Veränderung von Pflanzen wie auch Tieren und Menschen verwendet werden. Dr. Meijsing forscht derzeit vor allem daran, mithilfe von CRISP Genkrankheiten zu heilen. Im Gespräch erklärt Dr. Meijsing anschaulich, wie die CRISP/Cas9-Methode entdeckt wurde und wie sie funktioniert.

Die Natur als ganzheitliches System wahrnehmen

„Meine Perspektive auf die Natur stammt aus der Gestaltung,“ sagt Jannis Hülsen und ergänzt: „Natur ist für mich alles, was ist. Es ist ein komplexes System mit Dynamiken, die als Gemeinschaften in Abhängigkeiten zueinander stehen, sich gegenseitig regulieren und nach einem Gleichgewicht streben.“ Der Designer ist zusammen mit Stefan Schwabe Initiator und Leiter des an der Universität der Künste angesiedelten Forschungsprojektes „Farming the Uncanny Valley“ („Die Urbarmachung des Unheimlichen Tals“).

Das Projekt untersuchte in mehreren Workshops, wie Menschen, die sich in ihrem Alltag bislang noch nicht oder nur wenig mit den Themen Gentechnik und Bioökonomie auseinandergesetzt haben, auf die neuen Möglichkeiten der Biowissenschaften reagieren. „Unser Ziel ist es“, führt Hülsen aus, „mit den Ergebnissen aus den Workshops in den Austausch mit Wissenschaftler*innen und politischen Entscheidungsträger*innen zu gehen und langfristig diesen Dialog zu verstetigen – auch lokal.“ Zwischen dem 13. August und dem 11. September 2020 haben alle Berliner*innen und Berlin-Besucher*innen die Gelegenheit, mit dem Besuch der Ausstellung „Macht Natur“ im STATE Studio (Hauptstr. 3, 10827 Berlin, direkt am U-Bahnhof Kleistpark) in diesen Dialog einzutreten.

Im Podcast spricht Jannis Hülsen über das Vorgehen bei den Workshops und die Erfahrungen der Teilnehmer, die mitunter selbst Gentechniken anwenden konnten.

Fotocollage mit Planzen und verschiedenen Gegenständen, die aus der Natur gewonnen wurden, dazu die Frage: "Welche Natur wollen wir machenß", Plakat zur Ausstellung "Macht Natur" im STATE Studio Berlin
Plakat zur Ausstellung "Macht Natur" im STATE Studio Berlin, Foto: Samuel Henne/STATE Studio

Weiterführende Links zu den Gästen und Themen der Sendung:

Die Ausstellung „Macht Naturist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts „Farming the uncanny Valley“. Das Projekt wurde im Rahmen des Wissenschaftsjahres zur Bioökonomie gefördert und gemeinsam von der Universität der Künste (Projektleitung), der Beratungsagentur YOU.SE, dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit und Energietechnik (UMSICHT),  sowie dem STATE Studio durchgeführt.

Über die Funktionsweise der CRISP/Cas9-Methode informiert unter anderem diese Seite der Max-Planck-Gesellschaft. Welche Thearpie-Möglichkeiten sich aus CRISP/Cas-9 ergeben, können Sie nachlesen unter https://www.mpg.de/11033456/crispr-cas9-therapien.

Infos zur Biorobotik von Prof. Dr. Tim Landgraf und seinem Team finden sich unter berlinbiorobotics.blog. Über das Projekt BeesBook zur Langzeitbeobachtung des Sozialverhaltens von Bienen im Bienenstock mithilfe von KI informiert die Seite https://github.com/BioroboticsLab/bb_main/wiki. Wie man mithilfe von Roboterbienen den Schwänzeltanz erforscht, erfahren Sie unter Robobee. Weitere Einblicke in die Forschungsgebietet der Roboterbienen gewährte Prof. Landgraf zudem in seinem Vortrag auf der „Rise of AI conference 2019“:

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Die dritte Folge des LNDW-Podcasts, "Homo creator - der schöpferische Mensch", direkt anhören